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Wer ihn kennt, der weiß, dass er ein offener und spontaner, zugleich aber auch ein bedachter Typ ist. Wir von Ewigkite haben ihn, bevor die Saison 2018 beginnt, zu einem Fotointerview gebeten, um noch einmal auf 2017 zurückzublicken.

Jannis, ein intensives und erfolgreiches Wettkampfjahr 2017 liegt hinter dir. Den deutschen Meistertitel hattest du 2017 wieder in der Tasche. Glückwunsch. Es gab aber auch weniger Erfreuliches ....

Wie hast du dich gefühlt, als du beim entscheidenden Rennen für den deutschen Meistertitel über die Ziellinie gefahren bist?

Natürlich habe ich mich tierisch gefreut!!! Dieses Jahr war ein besonderes Meisterschaftsjahr! Ich wollte mir beweisen, dass ich, trotz des Disziplinwechsels vom Raceboard auf´s Hydrofoil, trotzdem zu den besten Racern gehören kann. Dies war meine erste Saison auf dem Foil und ich bin super glücklich mit meinen Resultaten!

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Wenn du bei einem Rennen oder auch beim Trainieren mit Seegras oder Wasservermutzung zu tun hast, dann geht was in dir vor?

Beides treibt mich manchmal zur Weißglut! Oftmals erwischt einen das Seegrasfeld immer im ungünstigsten Zeitpunkt! Wie z.B. beim Worldcup auf Fehmarn bei 60 km/h auf Downwindkurs.
Der Spektakulärste Crash des Jahres ist mir damit bestimmt sicher! :D Aber zum Thema Wasserverschmutzung: Klar ist es für das Rennen blöd, eine Plastiktüte zu erwischen, aber fast schlimmer finde ich die Menschen, die eine solche Verschmutzung verursachen. Kiten ist ein so naturverbundener Sport, bei dem Müll nichts zu suchen hat! 

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Eines deiner Highlights im vergangenen Jahr war sicher das Hydrofoil-Rennen mit Blick auf die Golden Gate Bridge in San Francisco. Wie war das, als du das erste Mal in SF auf dem Wasser warst?

Einfach atemberaubend!!! Unter einer 230m hohen Brücke durchzukiten, während man von Walen, Delphinen und Seelöwen umgeben ist, ist einfach unbeschreiblich. 

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Hat in San Francisco alles geklappt?
Und: Was geht in dir vor, wenn du einen Fehler gemacht hast?

Mit meiner Leistung an der Kalifornischen Küste bin ich super zufrieden. Der unglaublichen Kulisse stehen hier ebenfalls anspruchsvollste Bedingungen gegenüber! Extreme Gezeitenströmungen, ablandiger, böiger Wind mit bis zu 35 Knoten und eine super kurze und hohe Welle machen allein das „entspannte Fahren“ zu einer echten Aufgabe.

Zum Glück sind wir (das Flysurfer-Levitaz-Team, auch als „We are Trippin“ bekannt) rechtzeitig angereist und konnten uns und unser Material optimal auf die Bedingungen einstellen. Falls dann doch mal ein Fehler passiert, ärgere ich mich natürlich darüber, bin aber im nächsten Moment wieder vollkommen fokussiert und hake den Fehler ab. Negative Gedanken stören nur meine Konzentration!

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... und jetzt stell’ dir vor, dass dir von irgend jemandem mitgeteilt wird, dass du 2020 bei den Olympischen Spielen mit dabei sein wirst.

Das wäre natürlich unglaublich!
Auch wenn Kitesurfen in Tokio erstmal einen „Demo“-Status hat,
träumt jeder Sportler davon, einmal zu den Olympia zu kommen.

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Bist du vor Wettkämpfen noch aufgeregt? Wenn ja, wie kommst du zur Ruhe, bevor du aufs Wasser gehst?

Eine gewisse Anspannung ist auf jeden Fall noch immer da. Meistens laufe ich mich einmal kurz warm, bevor es aufs Wasser geht und dehne mich ganz vorne an der Wasserkante. Das verschafft mir Entspannung und macht mich bereit für die Rennen.

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Und der Moment vor dem Start? Wie sieht der so aus?

Da bin ich nur noch auf die Flaggensignale, das Fahrerfeld und mich selbst konzentriert. Kurz vor dem Start sortiert sich das Feld und jeder versucht, den optimalen Startplatz zu finden.
Das ist der Moment, wo es immer besonders eng wird, ich aber natürlich versuche den für meine Taktik besten Startplatz zu finden! Bei der Weltmeisterschaft auf Sardinien kam es leider zu einer Verletzung.

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Wie hast du dich gefühlt, als klar war, dass du nicht weiterfahren kannst?

Das war für mich ein sehr trauriger Moment! Wir wurden am zweiten Wettkampftag bei 35-50 Knoten ablandigem Mistral aufs Wasser geschickt. Kurz nach dem Start erwischte mich eine Windböe, die mich einige Meter weit ins Wasser riss, wo ich mit dem rechten Fuß auf irgendetwas sehr scharfem landete,
dass mir eine knapp 5cm lange und sehr tiefe Wunde unter dem Fuß schnitt. Schon zurück am Strand war mir klar, dass der Wettkampf damit für mich gelaufen ist. Und dann fängt es natürlich an, im Kopf zu rattern…  Die ganze Saison gipfelt in der Weltmeisterschaft auf Sardinien, die Sponsoren würde es natürlich freuen, gute Resultate zu erhalten, man reist 3000 Kilometer an, ich merke wie ich mich immer weiter verbessere,am ersten Wettkampftag sogar in die Top 10 fahre und ab und dann ist mit einem Augenblinzeln alles vorbei.

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Wie fühlst du dich, wie geht es dir so als Student?

Student zu sein ist schon irgendwie cool, auch wenn das Klischee, dass Studenten viel Zeit haben, absolut nicht auf einen Chemie-Studenten zutreffen! :D

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Wie sieht es aus, wenn du darüber nachdenkst, ob und wie du dein Studium und deine Sportkarriere zusammen bekommst?

Das ist wiiiirklich immer ein Balance-Akt! Mein Chemie-Studium beansprucht sehr, sehr viel Zeit. Wir haben viele Praktika, also viel Präsenszeit, aber sobald ich irgendwie rauskomme sitze ich im Auto auf dem Weg zu einem meiner Homespots.
Und zur Not werden auch mal auf dem Beifahrersitz Protokolle geschrieben...

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Passiert es manchmal, dass du in der Uni sitzt und vom Kiten träumst?

Na klar! Täglich!!

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Wenn du durch deine Mimik versuchst, dein Gegenüber zum Lachen zu bringen, dann ...

…sieht das wohl ungefähr so aus…

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Machst du regelmäßig Krafttraining oder kommt die Kraft einfach so beim Training auf dem Wasser?

Nur das Training auf dem Wasser reicht da nicht aus. Ich spiele insgesamt drei Mal die Woche Handball
und versuche eigentlich täglich Freeletics (Übungen mit dem eigenen Körpergewicht) zu machen, es gibt aber im Allgemeinen nur sehr wenig Sportarten, die ich noch nicht ausprobiert habe!

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Am Ende eines langen Wettkampftages siehst du wie aus?

Das ist wohl eine Kombo aus erschöpft und super hungrig!

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Wenn du auf 2017 zurückblickst, dann ....

…vergesse ich den einen Misserfolg und bin echt stolz auf das, was ich in so kurzer Zeit erreicht habe.

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Wenn du an 2018 oder noch weiter nach vorne denkst, dann....

…bin ich auf einem guten Weg, einer der besten Kite-Racer zu werden und ein fröhliches Leben zu führen. Denn das ist es doch, was wirklich zählt: glücklich zu sein!

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Danke für dein Mitmachen mit  Mimik und Worten.

Fragen und Bilder: Carsten Hokema
zu sein

Gepostet: 12.2.2018 13:43

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